Termine Kirche Team Gästebuch Kontakt


Marienverehrung

Johannes Bosco

Maria-Hilf Rosenkranz

Predigten

Pilgeranmeldung

Gaststätten

Predigt

Predigt zum Gottesdienst der Städtepartnerschaft zwischen Buja und Vilsbiburg am 27.Mai 2001

SS. Maria ausiliatrice e la madonna dei fornaciai

Liebe Schwestern und Brüder,

die Städtepartnerschaft zwischen Buja und Vilsbiburg, die wir mit diesen Festtagen besiegeln, hat ihren Ursprung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aufgrund der industriellen Revolution und des damit verbundendenen Baubooms waren Arbeitskräfte Mangelware. Auf der Suche nach Arbeitern im Ziegeleihandwerk kam es zu Kontakten mit Friaul. Hier hatte die Ziegelei eine große Tradition. Ausserdem gab es in und um Buja bessere Facharbeiter als hierzulande. Die durch Krieg und Erdbeben in Not geratenen friaulischen Fornaciai (Ziegelpatscher) zogen im 19. Jahrhundert in Sippenstärke mit Frau und Kindern aus dem Friaul im Frühjahr über die Alpen, um im Spätherbst wieder heimzukehren. Der Großvater des heute hier anwesenden Herrn Dr. Pierluigi Calligaro aus Buja, war einer der Ansprechpartner für die Ziegeleibesitzer. Der Akkordant forderte schon im Winter in der Heimatgemeinde Leute auf, im Frühjahr mit ihm nach „Baviera“ zu gehen.
Nach einem zwei-Wochen-Marsch gelangten die Arbeiter mit eigenen Werkzeugen, Polentakesseln, und -säcken in unsere Gegend, waren geschätzt wegen ihrer Fachkompetenz, wurden aber auch ausgenutzt. Gerade die ersten friaulischen Gastarbeiter arbeiteten überwiegend für einen Hungerlohn und noch Ende des 19. Jahrhunderts war auch Kinderarbeit in vielen Ziegeleien normal. Eines der Kinder, die als Fornaciai in den Norden mitgegangen waren, war der aus Buja stammende friulanische Dichter Piettro Menis. Er erzählt von seinen ersten Erfahrungen in Ziegeleien bzw. mit Ziegeleiarbeitern und von der Mühsal und den Entbehrungen nicht nur körperlicher Art, denen er bei der Kinderarbeit ausgesetzt war. „Als ich das erstemal nach Deutschland fuhr, war ich nicht viel älter als zehn Jahre; ich hatte noch nie einen Zug bestiegen und hatte von der Welt noch nichts gesehen als Gemona und die Hügel von Morenici. Ich zitterte vor Kälte und Angst. Die Sonne war in einen Schleier gehüllt, groß und rot ging sie unter. Jemand sagte ‘jetzt macht deine Mutter zuhause Polenta ... und du bist hier’ ... und ich fing an zu weinen.
Liebe Schwestern, liebe Brüder;
Heimweh ist ein Gefühl, das vielleicht schon viele unter uns gespürt haben.
Egal, welches Zuhause wir haben, in der friaulischen Stadt Buja oder in der bayerischen Stadt Vilsbiburg: Fern der Heimat fühlt man sich fremd, fehlt die heimatliche Geborgenheit. Die Ziegeleiarbeiter, die Fornaciai gingen jedoch auf die Suche. Sie fanden etwas, das sie an ihre Heimat erinnerte. Es ist der Ort, in dem wir jetzt sind, die Bergkirche Maria Hilf. Denn in der Kirche gibt es keine Fremden. In der Familie der Christenheit ist jeder zuhause, egal wo er ist.
Die ganzen Probleme, staatlicherseits, europäischerseits, Zuwanderung, doppelte Staatsangehörigkeit, Green Card, spielen in der Kirche keine Rolle.
Wenn einer getauft ist, braucht er keinen Pass. Er gehört zur Gemeinschaft der Getauften, jede Kirche ist seine Heimat. Wenn sich die Fornaciai damals in Maria Hilf zu Hause gefühlt haben, dann war es ganz im Sinne Gottes. Diese Einheit hat Jesus begründet, indem er die Taufe gestiftet hat. Da kann man sich freuen darüber: Von Gott her, sind wir eine Familie, sind wir Kinder Gottes, egal welche Sprache wir sprechen, ob wir Polenta oder Knödel essen.
Europäisch gesehen sind wir ja dabei, Einheit zu suchen. Wir haben den gleichen Pass, das gleiche Passformat, ob italienisch oder deutsch. Innerhalb der EG sprechen wir nicht mehr von Ausländern. Nächstes Jahr wird der EURO eingeführt. Es war und ist mühsam, was in Europa erreicht werden will. In der Kirche ist jedoch die Einheit, die wir europäisch suchen, schon da. Was in Europa jetzt erreicht werden will durch Verordnungen von oben, ist kirchlich schon immer gewesen. Wer getauft ist, braucht keinen Pass. Es ist der Wunsch Jesu: Durch die Taufe sollen alle eins sein. Seitdem es Kirche gibt, seit Pfingsten, sind alle, die sich von Christus angezogen fühlen, in der Kirche, im Gotteshaus zu Hause.
Was die Fornaciai noch bewegte, die Bergkirche Maria Sanctissima Auxiliatrix zu ihrer Hauskirche in der Fremde zu machen, war die Marienfrömmigkeit. Die Madonna wird von den Christen im Friaul gleichermaßen verehrt wie in Bayern. Die Fornaciai nahmen in innerer und äußerer Not ihre Zuflucht beim Gandenbild der Gottesmutter. Hinter unserem Maria Hilf Bild erkannten sie ihre Madonna, ihre Patrona dei Fornaciai, eine Statue aus Lehm, gebrannt von Ziegeleiarbeitern aus Buja, die von ihnen in die Heimat gebracht und am 21.11.1876 in der Kirche von Avilla/Buja aufgestellt wurde. Es gibt ein Gebet der Ziegelarbeiter zur Verehrung der Patrona dei Fornaciai, das in besonderer Weise wie auch unser Vilsbiburger Pilgerlied die Zuwendungen Marias besingt, durch die der Beter tiefe Geborgenheit und Heimat erfährt.
Liebe Schwestern, liebe Brüder;
Bei der Städtpartnerschaft kommen wir uns näher und vielleicht werden in den kommenden Jahren die Verbindungen noch intensiver. Damit leisten wir neben aller menschlicher Bereicherung unseren Dienst im Rahmen der europäischen Einigung. Dieser Gottesdienst, unser gemeinsames Beten und Danken, kann uns helfen, diese Einheit zu vervollkommnen.
Denn als gläubige Christen sind wir schon vereint:
1. Wir sind vereint durch unsere gemeinsame Taufe, zu der schon Petrus am Pfingsttag einlädt.
2. Wir sind vereint im Haus Gottes, denn für Gott gibt es keine Fremden, alle die zu ihm kommen, ihn loben und preisen sind seine Kinder.
3. Wir sind vereint durch die gemeinsame Zuneigung zur Madonna. Zur Maria Sanctissima Auxiliatrix in Vilsbiburg und zur Patrona dei Fornaciai in Avilla/Buja.

So beten unsere Wallfahrer im Vilsbiburger Pilgerlied:

„Und was uns bedränget in Leid und Schmerz,
in Mühen und Kämpfen und Sorgen,
wir eilen zur Mutter, ans gütige Herz;
da sind wir in Liebe geborgen.
O Mutter der Gnade, Maria hilf!“

So beten die Ziegelarbeiter zur Verehrung der Madonna:

„O Seligste Jungfrau, Heil aller, die zu Dir
flehen, sieh gnädig auf deine Kinder, die in der Heimat
und in der Fremde arbeiten, um Ziegel für
die Häuser Gottes und der Menschen herzustellen.

In Dein mütterliches Herz haben sie die Sorge
für ihre ferne Familie und die Gefahren
ihres mühevollen Lebens gelegt.

Hilf uns, Mutter des Heiles, in der Arbeit
und in den täglichen Nöten und gib uns
die Kraft, wenn unsere Hände die Erde formen,
dass unsere Augen sich nicht von der himmlischen Heimat abwenden.

Amen.“


 
© 2003 Wallfahrtskirche Maria-Hilf Vilsbiburg - info@wallfahrtskirche-vilsbiburg.de