Friede sei mit euch!Kennen Sie die ostfriesische Kriegsflagge? Nein? Dann will ich es Ihnen sagen: Weißer Adler auf weißem Grund.
Heute am weißen Sonntag geht es um die Farbe „Weiß“. Das hat mit den frühen Christen zu tun. Tauftermin war in den ersten Jahrhunderten die Osternacht und in der Osterwoche trugen die Neugetauften weiße Kleider, die sie dann am weißen Sonntag feierlich ablegten. Es waren damals ganze Familien und Dorfgemeinschaften, die sich taufen ließen und eine Woche lang durch weiße Gewänder ihr Christsein nach außen hin zeigten.
Zum Weißen Sonntag gehört aber neben den Taufgewändern auch die weiße Fahne. Sie steht für die Ergebung eines Heeres oder Volkes im Krieg und drückt Friedenshoffnung, Friedenssehnsucht, Friedenswunsch aus. Man hat genug davon, länger in Zweifel, Angst und Durcheinander zu leben. Die weiße Fahne, ein Zeichen des Willens zum Frieden.
Das erste Wort Jesu an seine Jünger nach seiner Auferstehung ist der Friedenswunsch: „Der Friede sei mit euch!“ Vom Frieden atmen alle Erzählungen über die Erscheinungen Jesu. Nur in einer friedvollen Atmosphäre kann es gelingen, die Bedeutung des geschichtlichen Weges Jesu von Betlehem bis Golgotha zu erspüren. Das Wahrnehmen der Bedeutung Jesu für uns braucht Zeit und Frieden. So sind die Osterberichte allesamt keine spektakulären Wundergeschichten. Sie sind verhalten, lassen dem Zweifel und der Skepsis eines Thomas Raum. Sie bezeugen in aller Klarheit die Begegnung mit dem Auferstandenen aber in menschlicher Weise: Ist er es? Wirklich? Jesus von Nazaret? Die Osterberichte räumen uns ein voller Fragen zu sein. Der Weg sind nicht knallharte Argumentation und fundamentalistische Glaubenssätze, die auswendig zu lernen und anzunehmen sind. Es geht um ein Begreifen, das Zeit und Frieden voraussetzt, es geht um langsames Tasten und Begreifen. Dieses langsame Herantasten wird für sie zur lebendigen Gewissheit, indem sie ihn dann wiedererkennen, durch das Berühren seiner Wunden, im miteinander Essen. Schritt für Schritt werden aus Fragenden und Zweifelnden Zeugen der Auferstehung. „Noch viele andere Zeichen, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan“. Sie sind die Augenzeugen, die jetzt den Gekreuzigten als Auferstandenen verkündigen. Begonnen hat es damals am Abend, als er ihnen hinter verschlossenen Türen begegnet. Ihrer Verwirrung steht sein Gruß gegenüber: Friede sei mit euch. Von Zweifel, Angst und Unsicherheit sind die Jünger geprägt. Dagegen setzt Jesus seinen Friedenswunsch: Der Friede sei mit euch.
Friede ist die Frucht der Erlösung, ist Jesu Gabe, ist Erkennungszeichen der Gemeinde Christi. Friede ist der Wunsch Christi für sie, sein Gruß, er überwältigt sie nicht, er lässt ihnen Raum und Zeit, er geht achtvoll mit den Jüngern um; seht, betastet, esst und trinkt... So führt er sie langsam den Weg der Erkenntnis und öffnet ihnen so die Augen: Wenn der Papst mit beinahe pazifistischem Ton Frieden gefordert hat und immer wieder anmahnt, tut er das aus der Verantwortung vor Christus: Denn der Friede Christi ist das Geschenk von Ostern, das uns aber auch herausfordert, Stellung zu beziehen. Frieden zu empfangen ist eine österliche Gabe, ihn weiterzugeben liegt in unserer Verantwortung dort wo wir leben: zwischen Ehepartnern, in der Familie, unter Geschwistern, mit der Nachbarschaft, zwischen den Generationen, Religionen und Völkern. Dabei kann Friede nicht hergestellt, von oben diktiert werden. Es ist ein Wunsch, eine Vision, die hineingesprochen wird in eine friedlose Situation von Zweifel, Angst und Durcheinander. Es ist die offene Hand, die dem andern entgegengestreckt wird, es ist der Mut zu einem Gespräch, es ist achtvoller Umgang miteinander. Beim Friedensgebet zwischen den Religionen in Assisi vor einigen Jahren war dies spürbar als sich Vertreter der verschiedenen Religionen trafen, um miteinander zu sprechen und zu beten. Manche sprechen vom Weltgewissen, das sich da versammelt hat. Leider wird es zu wenig gehört in Zeiten, in denen der Krieg wieder zum legitimen Mittel zu werden scheint, das durch vieles gerechtfertigt wird, sogar durch die Ölpreise. Es gibt ein großes Weltgewissen etwa durch den Papst oder den Dalai Lama.
Wie können aber wir zu Friedensaposteln werden. Dazu eine kleine Geschichte vom heiligen Franziskus, der, wie es die Leute sagten, "Jesus im Herzen, im Mund, in den Ohren, in den Händen, in allen Gliedern trug" (1 Celano 4).
Franziskus schlug einem jungen Mönch vor, sie wollten in die Stadt gehen und dort den Leuten vom Frieden predigen. So machten sie sich auf den Weg nach Assisi. Sie gingen über die Straßen und über den Marktplatz und unterhielten sich dabei über ihre geistlichen Erfahrungen und Erkenntnisse. Erst als sie wieder auf dem Weg nach Hause waren, rief der junge Mönch erschrocken aus: „Aber Vater, wir haben vergessen zu predigen!“
Franziskus legte lächelnd die Hand auf die Schulter des jungen Mannes. „Wir haben die ganze Zeit nichts anderes getan, mein Sohn, antwortete er. Wir wurden beobachtet, und Teile unseres Gespräches wurden mitgehört. Unsere Gesichter und unser Verhalten wurden gesehen. So haben wir gepredigt.“
Dann fügte er hinzu: „Merke dir, mein Sohn, es hat keinen Sinn, zu gehen, um zu predigen, wenn wir nicht beim Gehen predigen.“
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